Jeder kennt sie: Diese Menschen, die anscheinend essen, worauf auch immer sie Lust haben, Sport nur aus dem Fernsehen kennen und trotzdem stets rank und schlank bleiben. Darauf angesprochen, erklären sich die meisten das Phänomen mit „guten Genen“ – wenig befriedigend, wenn man selbst nicht zu den vom Schicksal Begünstigten gehört, schließlich lässt sich an den eigenen Genen kaum etwas ändern.
Heißt das nun, dass wir uns einfach damit aussöhnen sollen, dass Abnehmen für manche Menschen einfach nicht vorgesehen ist? Nicht unbedingt, denn aktuelle Forschung schenkt Hoffnung: Sie vermutet einen weiteren Faktor, den wir sehr wohl beeinflussen können: Die Rede ist vom sogenannten Darmmikrobiom. Der Begriff klingt vertraut – aber was steckt eigentlich genau dahinter?
Zusammenfassung
- Weltweit leiden Millionen Menschen unter Gewichtsproblemen. Die Ursachen waren jedoch lange unklar.
- Inzwischen sind sich Wissenschaftler weltweit einig: Der Darm und die in ihm lebenden Bakterien haben großen Einfluss auf den ganzen Körper.
- Aus diesem Grund erfreuen sich sogenannte Probiotika wachsender Beliebtheit.
- Trotz ihrer Unterschiedlichkeit gibt es einige fundamentale Qualitätskriterien, anhand derer wir beliebte Produkte getestet haben.
Darmmikrobiom – was bedeutet das eigentlich?
Als Darmmikrobiom wird die Gesamtheit aller lebenden Organismen bezeichnet, die sich in unserem Darm befinden. Dabei handelt es sich überwiegend um Bakterien; ein gesundes Darmmikrobiom enthält bis zu 100 verschiedene Stämme! Wichtig dabei: Damit der Darm seine Aufgaben erfüllen kann, braucht es ein genau austariertes Verhältnis der einzelnen Bakterienstämme zueinander.
Ist der eine Stamm überrepräsentiert oder gibt es vom anderen zu wenig oder sind gar insgesamt nicht genügend Bakterien vorhanden, gerät das Mikrobiom in Ungleichgewicht.
Ein solches Ungleichgewicht, auch Dysbiose genannt, kann vielfältige Auswirkungen haben – nicht nur auf offensichtliche Bereiche wie die Verdauung, sondern auch auf unsere Stimmung, unser Immunsystem und viele weitere Bereiche.
Aber was hat das alles nun mit unserem Gewicht zu tun?
Mikrobiom und Gewichtsveränderungen – das sagt die Wissenschaft
Eine Umfrage aus dem Jahr 2021 zeigt: Etwa 31 Millionen Menschen in Deutschland (über 14 Jahren) brächten gerne ein paar Kilo weniger auf die Waage.
Gleichzeitig zeigen Studien jedoch auch, dass herkömmliche Diäten wegen ihrer zahlreichen Einschränkungen nur in etwa 20 % der Fälle langfristig erfolgreich sind – was aber bedeutet das für die „restlichen“ 80 %? Sollen sie sich ihrem Schicksal so einfach ergeben? Nicht, wenn es nach der Mikrobiom-Wissenschaft geht, denn dort gibt es seit einigen Jahren bahnbrechende Erkenntnisse bezüglich des Zusammenhangs zwischen Darmmikrobiom und der Art, wie unser Körper mit Kalorien umgeht.
So auch die Forschung des ehemaligen Harvard-Forschers P. J. Turnbaugh: Dieser untersuchte das Mikrobiom einer Gruppe von Zwillingen, bei denen je ein Zwilling übergewichtig und ein Zwilling schlank war. Dabei zeigte sich, dass zwischen den übergewichtigen (nicht verwandten) Studienteilnehmern Gemeinsamkeiten bestanden, die sie sogar von ihren eigenen, schlanken Zwillingen unterschieden: Die übergewichtigen Teilnehmer hatten eine signifikant verringerte Vielfalt und veränderte Zusammensetzung der Darmbakterien.
Könnte es also sein, dass die Ursache für Übergewicht – zumindest teilweise – im Darmmikrobiom liegt?

Um der Sache noch genauer auf den Grund zu gehen, führte er weitere Versuche durch und konnte so unter anderem zeigen, dass sich bei Mäusen, die eine Magenverkleinerung erhielten, auch das Mikrobiom veränderte. Als er dann dieses veränderte Mikrobiom Mäusen einpflanzte, die keine Magenverkleinerung erhalten hatten, verloren diese trotzdem signifikant an Gewicht – was zeigte, dass die veränderte Bakterienwelt in Wirklichkeit einen erheblichen Beitrag zum Gewichtsverlust der untersuchten Mäuse leistete.
So weit, so gut, doch wie gelangt man nun an das Mikrobiom eines anderen Menschen? Diese Frage stellte sich bereits im 4. Jahrhundert ein berühmter Arzt aus China. Sein Lösungsansatz war relativ einfach: eine orale Stuhltransplantation. Leider jedoch war diese Prozedur mindestens so unappetitlich wie sie klingt, denn Patienten mussten dafür den Stuhl einer gesunden Person über den Mund aufnehmen.
Obwohl diese Therapieform nicht gerade verlockend klingt (auch dann nicht, als sie im 16. Jahrhundert den poetischen Namen „goldener Sirup“ erhielt), hielt sie sich doch über eine lange Zeit. Selbst heute noch wird das Prinzip der Stuhltransplantation in einigen Fällen praktiziert – glücklicherweise jedoch weitaus weniger unappetitlich: Der „fremde“ Stuhl wird mittlerweile über eine Koloskopie oder Kapseln (bis zu 30 Stück am Tag) zugeführt.
Da auch diese Methoden nicht unbedingt verführerisch klingen, eine Stuhltransplantation nicht ganz ohne Risiken und vor allem mit hohen Kosten verbunden ist, ist sie aber nur in seltenen Fällen das Mittel der Wahl. Gibt es also eventuell eine Alternative?
Probiotika – das Mittel der Wahl bei Gewichtsproblemen?
Genau dort wollen die sogenannten Probiotika ansetzen. Diese Präparate enthalten lebende Mikroorganismen, welche sich im Darm ansiedeln sollen. Dadurch soll das Mikrobiom wieder ins Gleichgewicht kommen, bzw. „aufgefüllt“ werden, in der Hoffnung, dass – ähnlich wie in den beschriebenen Versuchen – dann auch endlich die Pfunde purzeln. Doch kann eine Gewichtsreduktion wirklich so einfach sein?
Klingt eigentlich zu gut, um wahr zu sein, dennoch gibt es mittlerweile tatsächlich mehrere Studien, die diese These stützen. So stellte etwa ein japanisches Forscherteam fest, dass ein bestimmter Bakterienstamm die Fettabsorption im Darm beeinflusst und die Ausscheidung von Fetten fördert. Einfach ausgedrückt: Fettiges Essen landet nicht auf der Hüfte, sondern in der Toilette!
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine weitere Studie: Eine Gruppe junger Männer folgte dafür 4 Wochen lang einem besonders fettreichen Ernährungsplan. Dieser wurde bei einem Teil dieser Gruppe mit einer probiotischen Zubereitung ergänzt, der andere Teil erhielt ein Placebo.
Die Teilnehmer wurden sowohl vor als auch nach diesem Testzeitraum gründlich untersucht, Gewicht, BMI und Fettanteil im Körper wurden aufgezeichnet. Das erstaunliche Ergebnis: Die Teilnehmer der Placebo-Gruppe nahmen signifikant stärker zu als die Teilnehmer, welche das Probiotikum erhalten hatten.

Probiotika haben also ein großes Potenzial für das Gewichtsmanagement. Daraufhin stellt sich jedoch das nächste Problem: die unglaubliche Vielfalt an Produkten, die derzeit auf dem Markt sind. Wie soll der Laie da die Spreu vom Weizen trennen?
